Auszeit – Von Schinkengang, Frühlingsfest der Volksmusik und Staying Alive

Nach 18 Tagen steht der nächste Umzug an: ich darf nach Bad Endorf auf Früh-Reha!

Aufi, aufi auf den Berg, äh, die Liege muss i!

Pünktlich um 9 Uhr stehen die beiden Fahrer der Johanniter (wie passend…) an meinem Bett. Die Schwestern sind gerade noch in der Frühstückspause. Somit muss ich selbst schauen, dass ich alles mitnehme. Vor allem meinen Kopf, dessen aktuelles Denk- und Erinnerungsvermögen mir hin und wieder einen Schauer über den Rücken jagt…

Als ich mittels Rollbrett auf der Trage liege und auch meine drei (!) Taschen verstaut sind, geht es los. Noch schnell von meiner Zimmernachbarin und den Schwestern verabschieden. Draußen wartet der Sanka auf mich und ich bekomme meinen ersten Liegendtransport.

Stellt sich nur die Frage: Landstraße oder Autobahn? Und da meine Unfallstory ebenfalls nur Kopfschütteln und Gelächter beim Fahrer hervorruft, kann ich ihn schnell überzeugen, dass wir an der Unfallstelle in Gstadt vorbei fahren.

Gstadt – die Mauer muss weg! Oder doch nicht?

Die Strecke ist zwar anstrengend für meinen Rücken, doch die Unterhaltung lenkt mich gut ab. In Gstadt muss ich mich erst orientieren. Ich entdecke meinen „Wunschparkplatz“ und realisiere, wie nah ich an besagtem Sonntag meinem Ziel, dem Chiemsee, schon war… Und dann sind wir auch schon an der Unfallstelle vorbei, ohne dass ich sie erkannt hätte…

Bad Endorf – Start in die Früh-Reha

In Bad Endorf angekommen geht es direkt an den „normalen“ Reha-Patienten vorbei zur Station für Früh-Reha. Das Zimmer ist etwa genauso groß wie das Zweibettzimmer in Traunstein – und ich habe es ganz für mich… Schwuppdiwupp liege ich auch schon im Bett. So ziemlich die einzige Tätigkeit, die ich ohne größere Schwierigkeiten meistern kann. Denn der Fragebogen, den ich quasi als Willkommensgeschenk bekommen habe, enthält Fragen wie

Wie groß sind Ihre Schwierigkeiten bei

  • Treppen hinunter steigen
  • Treppen hinauf steigen
  • Sich zum Boden bücken
  • Einkaufen gehen

Ich sehe schon… Da liegt noch ein Stück Weg mit Erfolgserlebnissen, Fluchen und (Un-) Geduld vor mir, bis ich überall „Keine Schwierigkeiten“ ankreuzen kann…

20180426_Endorf_Reha_Balkon

Der Tag verläuft recht unspektakulär: noch keine Behandlungen. Nur die Ärztin hat eine schlechte Neuigkeit für mich: ich kann nicht direkt von der Früh-Reha in die Reha wechseln. Denn der aktuelle Auftrag lautet, mich soweit zu mobilisieren, dass ich selbstständig in den Rollstuhl komme und auf die Toilette kann. Und da bin ich allerdings noch nicht reif für die Reha…

Abendmotto: Staying Alive

Zum Abend hin erwachen scheinbar die Patienten rundum zum Leben. Wegen des milden Wetters lasse ich die Balkontür erst noch offen. Doch dann dringen bekannte Akkorde an mein Ohr. Sehr hohe Akkorde. Und kurze Zeit später identifiziere ich das Lied als „Staying Alive“ von den Bee Gees. Na, ob das hier zur Motivationssteigerung gespielt wird…?

Kurze Zeit später trällert Helene Fischer eines ihrer Lieder. Oder vielleicht ist es auch eine ihrer Schlagerkolleginnen. So genau kann ich da nicht unterscheiden… Nur zu schade, dass ich die Balkontür nicht selbst schließen kann, sondern dafür erst jemand vom Pflegepersonal her klingeln muss…

Behandlungsbeginn

Gemeinsam mit meinem Frühstück flattert auch mein Behandlungsplan ins Zimmer. Vier Behandlungen am Tag: Physio-, Elektro- und Ergotherapie sowie die Einweisung ins mentale Training. Ok, könnte vielleicht mehr sein, doch immerhin geht es endlich ins richtige Training 🙂

Bei der zweiten Ergotherapie soll ich den Schinkengang üben. Und denke, ich höre nicht recht… Doch die Po-Wackel-Robben-Einlage heißt tatsächlich so. Und so versuche ich mühsam, ein paar Zentimeter auf meiner Matratze herum zu rutschen, ohne Gewicht auf das Becken (und somit die Füße) und mein rechtes Handgelenk zu bringen. Nach zehn Minuten habe ich etwa zehn Zentimeter geschafft. Toller Schnitt 😉

Und dann heißt es: zurück muss es auch gehen. Also robbe ich in die Gegenrichtung. Natürlich noch langsamer… Und irgendwann ist auch das geschafft und ich bin um eine Erfahrung reicher: Schinkengang kann wahnsinnig anstrengend sein…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s