Ruhe vor dem Sturm – damit ist es jetzt vorbei :-)

Habt ihr es auch gemerkt? In den letzten Wochen war es ziemlich still auf meinem Blog.

Normalerweise schreibe ich ja so ziemlich jede Woche. Und nun? Stille.

Auch mal schön. Zum Entspannen zum Beispiel.

Habe ich allerdings nicht. Im Gegenteil…

Meine Arbeitskollegen konnten es erst nicht richtig einordnen: immer häufiger habe ich schon um 17 oder gar um 16 Uhr zu arbeiten aufgehört. Und trotz Bilderbuchwetter bin ich – im Gegensatz zum Frühling oder zum letzten Jahr – kaum mehr mit dem Fahrrad auf Arbeit gewesen.

Was ist da los!?

Ganz einfach: vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich eine Liste mit meinen Träumen und Wünschen angefangen (denn die kann ich fortwährend erweitern 🙂 ). Und ein Punkt von dieser Liste war:

Einmal selbst Motorradfahren ausprobieren.

Nachdem ich letztes Jahr allerdings mehr Priorität auf die Vorbereitung meines Annapurna-Treks gelegt habe und ich nach Möglichkeit nicht zwei Großprojekte auf einmal angehe (Verzettelung ist sonst ja schon fast garantiert), musste dieser Punkt auf meiner Liste warten. Bis dieses Jahr…

Am 08.05.2017 schreibe ich deshalb die Fahrschule Pustal an:

Ich möchte den Motorrad-Führerschein machen. Da ich allerdings nicht sicher bin, ob mir das Motorradfahren liegt, möchte ich zuerst ein oder zwei Probestunden nehmen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, bevor ich mit dem Führerschein und der Theorie beginne.

Natürlich geht das 🙂

Die erste Stunde

Meine erste Stunde habe ich auf der KTM 690 Duke absolviert. Als Fahrlehrer hat mir Evi (die Seele der Fahrschule 🙂 ) dann auch Klaus zugeteilt. Ähnlicher Humor und eine unendliche Geduld. Top-Mischung. Und so habe ich die Stunde auch unfallfrei gemeistert. Langsam mit etwa 20 km/h bin ich am Übungsplatz „herum geschlichen“. Fand ich damals echt brutal schnell…

Stand nur noch die Frage im Raum: A2 oder A?

Mir gehts ja nicht ums Schnellfahren… Und auch nicht um hohe PS-Zahlen… Also würde ja A2 völlig reichen. Allerdings hat ein guter Freund mir dann den ultimativen Rat gegeben: der Mehrpreis von A im Vergleich zu A2 ist meist genauso hoch wie die Drosselung einer A-Maschine. Und wenn mir dann irgendwann mal ein Motorrad gefällt, das 5 kg zu viel hat… Ja, dann habe ich halt Pech – oder darf wieder zur Fahrschule gehen…

Also: mach ich halt gleich den A-Führerschein. Frau gönnt sich ja sonst nichts 😉

Theorie

Ja, unser aller Lieblingsthema: die Theorie. Ich glaube, ich kenne jetzt wesentlich mehr Harry-G-Folgen als davor… Nein, Spaß beiseite: während meiner Präsenzzeiten habe ich aufmerksam zugehört. Und danach mit der App anschließend fleißig weitergelernt. Inklusive Video-Fragen. Ja, da hat sich in den letzten 15 Jahren doch einiges getan…

Am 12.07.2017 um 8:30 war dann Theorie-Prüfung angesagt: auf einem Tablet mit recht vielen Jungspunden. Nach etwa einer halben Stunde habe ich dann „abgegeben“ (also, um genau zu sein: mit einem Fingerdruck die Abgabe bestätigt). Und wenige Minuten später habe ich dann auch schon das Ergebnis bekommen: bestanden! Mit 0 Fehlerpunkten!

Juhu!!! Meilenstein geschafft 🙂 🙂 🙂

Praxis

Doch was bringt all die graue Theorie, wenn man sie nicht anwenden kann? Genau! Gar nichts!

Aus diesem Grund habe ich Runde um Runde auf dem Übungsplatz gedreht. Erst auf der KTM, dann auf der BMW F800R. Nur bei den Kreisen habe ich mich hartnäckig geweigert… Mein Kopf war überzeugt, dass es physikalisch nicht möglich ist, einen Kreis mit etwa 9 Meter Durchmesser zu fahren. Drei davon in Folge schon mal gar nicht. Und so hatte ich meine nächste Runde am Übungsplatz gewonnen. Ja, da ist dann wirklich Durchhaltevermögen gefragt, wenn man zum x-ten Mal mit dem Fahrschul-AUTO zum Übungsplatz fährt, der Fahrlehrer vorneweg auf dem MOTORRAD. Und das auch noch bei über 30 Grad und schönstem Sonnenschein.

Also wieder fleißig den kurzen und den langen Slalom gefahren – und natürlich auch den Schrittgeschwindigkeitsslalom. Gefahrenbremsung absolviert (meist mit der nachfolgenden Diskussion, ob ich wirklich 50 km/h gefahren bin… Natürlich… Soweit das die kurze Anlaufstrecke auch zulässt… Nicht zu vergessen natürlich auch noch das Drehen am Gashahn bei der Vollbremsung, was bei Umstehenden vielleicht zu Stirnrunzeln geführt hätte. Aber nicht bei meinem Fahrlehrer. Der konnte das mit einer stoischen Ruhe hinnehmen. Nur die 50 km/h wollte er unbedingt sehen. Und dass ich gescheit mit dem Fuß bremse. Nicht nur die Bremse streichel…). Ausweichen mit und ohne Abbremsen. Was vergessen? Ach ja… Da war es wieder… Kreise fahren…

Da ich schon immer mit Pylonen auf Kriegsfuß stand („Klaus, ich nehm mir nächstes Mal eine Sprühfarbe mit. Ich kann sonst unmöglich im Kreis fahren…“), durfte ich dann auf einem gelb angemalten Kreis weiter üben. Mit Kupplung und Bremse. Owei… Ein Graus!

Also habe ich eine Hausaufgabe bekommen: mit dem Radl im Kreis fahren. Etwa 3 Meter Durchmesser (9 Meter wären ja keine Herausforderung…). Und so habe ich abends auf einem Supermarktparkplatz meine Kreise gezogen. Ich habe mich schon gefragt, ob irgendwann jemand die Männchen mit den weißen Jacken holt, weil da jemand immer wieder das gleiche macht…

Letztlich habe ich es dann doch irgendwann geschafft – kurz bevor mein Fahrlehrer aufgegeben hätte, dass ich den A-Führerschein noch bestehen könnte. Ich bin brav im ersten Gang drei Kreise gefahren. Und habe damit den physikalischen Gesetzen getrotzt, die in meinem Kopf eingemeiselt waren.

Nun ging es also ENDLICH auf die Landstraße! Und ich habe offenbar den All-Weather-Inclusive-Führerschein gebucht: 35 Grad und Sonnenschein über Freischwimmer auf der Autobahn bis hin zum „Im 30-Grad-Neigungswinkel-Fahren“ bei Seitenwind, damit ich geradeaus fahren konnte. So hatten wir abwechselnd Spaß: mein Fahrlehrer, der immer mal wieder über meine „Zaubereien“ schmunzeln musste (das bilde ich mir zumindest ein. Denn das „Ihr macht mich alle fertig“ kann unmöglich ernst gemeint sein… Soooo schlimm waren wir ja gar nicht…), und ich natürlich 🙂

Vermehrt graue Haare habe ich bei mir noch nicht gefunden. Die hat wohl eher der Fahrlehrer bekommen. Denn sein meistgesagter Satz „Gas geben!“ stand in krassem Widerspruch zum „Vorausschauend fahren!“, was mir dank meines Auto-Fahrlehrers Charly in Fleisch und Blut übergegangen ist. Also habe ich entgegen meiner innersten Überzeugung wenige hundert Meter vor dem Ortsschild noch beschleunigt. Und überhaupt gefühlt andauernd…

Die vielen Fahrstunden haben noch zu anderen, komischen Situationen geführt: beim Fahrradfahren habe ich den Spiegel für den Blick nach links hinten gesucht, als ich einem Hindernis ausweichen musste. Oder ein ander Mal den Blinker, um nach rechts abbiegen zu können… Ja, langsam bin ich wohl wirklich prüfungsreif…

Der Tag der Wahrheit

Nun ist es soweit: bekomme ich einen neuen Führerschein? Mit dem begehrten Sternchen bei „A“? Oder nicht?

Um 9 Uhr treffen wir uns für einen letzten Technikcheck an der Fahrschule. Ja, Motorrad ist funktionstüchtig.

Um 9:30 ist dann auch der Prüfer da, der sich erstmal stärken muss. Kein Problem. Ich habe ja Zeit. Dann kann ich wenigstens in Ruhe meinen Spiegel einstellen… Und noch ein bisserl Stress überspielen, indem ich mit den anderen rum witzele 🙂

Dann heißt es: auf zum Übungsplatz! Ja, den Weg kenne ich mittlerweile aus dem FF. Immerhin hat sich Erding nicht lumpen lassen und letzte Woche extra einen Fahrradbegrenzungsstreifen (oder wie man das Zeug auch immer nennt…) einziehen lassen, damit keine Langeweile aufkommt 🙂

Nun gilt es: nicht die Prüfung der anderen Fahrschule stören, die auf der Zufahrtsstraße stattfindet.

Stop & Go. Meine zweite Lieblingsübung. Also brav zweimal links und dann zweimal rechts den Fuß runter und soft anfahren, ohne die Maschine abzuwürgen. Ja! Geschafft.

Anhalten. Prüfer kommt. Owei… Was ist jetzt los? Ach so. Er sagt mir, welche weiteren Grundfahraufgaben ich absolvieren darf.

Schrittgeschwindigkeitsslalom. Durchatmen, langsam fahren, um die Pylonen herum zirkeln. Ja, alle stehen geblieben!

Umdrehen. Gas geben auf 50 km/h. Ausweichen ohne Abbremsen. Weiterfahren. Umdrehen.

Gas geben auf 30 km/h. Langer Slalom. Pylonen-Check: alle stehen geblieben!

Umdrehen. Gas geben auf 50 km/h. Ausweichen mit Abbremsen. Weiterfahren. Umdrehen.

Gas geben auf 50 km/h. Gefahrenbremsung. Passt

Also ein letztes Mal: Umdrehen. Und dann nichts wie raus zur weiteren Fahrt.

Doch was ist das? Ein anderes Fahrschulauto kommt von rechts? Gilt am Übungsplatz auch rechts vor links!? Aaahhhh… Warum muss das ausgerechnet heute passieren?

Egal, weiter gehts. Gleiche Strecke wie gestern. Allerdings dieses Mal ohne Seitenwind. Na, dann kann ich ja wirklich mal auf 100 km/h beschleunigen (gestern war bei 80 km/h mein persönliches Limit erreicht). Top!

Letzte Herausforderung: Erding – Innenstadt. Wenigstens ist das Kopfsteinpflaster im Gegensatz zu gestern nicht mehr nass. Oha. LKW hält rechts. Da war was… Stimmt. Blinker links setzen. Weiterfahren. Dann mal wieder an einer Kreuzung das Fahrschulauto abhängen (darin habe ich mittlerweile Übung), um dann in der 30er Zone mit 20 zu zockeln. Denn rechts ranfahren mag ich jetzt nicht…

Und schon bin ich bei der Fahrschule zurück. Mal schauen, ob der Prüfer was festgestellt hat, was ich übersehen habe. Sonst habe ich ein gutes Gefühl…

Na, alles gut. Nur den letzten Kanaldeckel habe ich fast etwas zu weit links umfahren. War aber gerade noch im Rahmen. Juuuuhuuuu!

Und so habe ich nun: meinen neuen Führerschein (schon fürs neue Foto wars wert 🙂 ), mein neues T-Shirt („Bestanden“) und noch so dies und das 🙂

Fehlt eigentlich nur noch eines: das passende Motorrad und Fahrpraxis! 🙂

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